
Tanni geht ins Kloster…
25. Januar 2010…bzw, sie war schon dort gewesen. Nein, ich habe nicht entschlossen, einem Orden bei zu treten, wegen meines ständigen Ärger mit den Männern. Auch hatte ich nicht vor, die Kreuze um zu drehen oder die Kollekte zu stehlen (man muss sich ja auch mal was Neues einfallen lassen).
Am Freitag, den 22. Januar 2010 hatte dort ein Orgelkonzert mit den Werken der französichen Meister stattgefunden. Also hab ich mir meine Mama geschnappt (sonst war niemand mehr bereit gewesen, mit zu kommen) und wir sind los gezogen, um Musik in stiller Andacht zu geniessen. Wirklich, ich bin freiwillig hingegangen, da mir die dramatischen Klänge der Kirchenorgeln gefallen (nur der Rest drum herum geht mir halt auf den Geist). Als ich es auch endlich geschafft hatte, die heilige Schwelle zu übertreten, ohne in Flammen auf zu gehen, konnte ich die neue Orgel bewundern. Keine Ahnung, wo die herkam und wieso die überhaupt umgesetzt wurde. Jedenfalls aus diesem Anlass fand das Konzert überhaupt statt.
Neben uns, also meiner Mama und mir, waren nicht allzu viele Gäste anwesend. Alles Kunstbanausen! Doch ausgerechnet meine ehemalige Lehrerin vom Gymnasium war unter den Zuhörern, was bei mir zu leichten Verspannungen führte. Zu allem Überfluss setzte sie sich auch noch in unsere Reihe. …Neben meiner Mutter. …Erkannt hat sie mich so ganz nebenbei. Mir brach der Schweiß aus jeder Pore. Damals war ich nicht gerade eine Musterschülerin und auch heute noch zucke ich automatisch zusammen, wenn ich einen Lehrer zu Gesicht bekomme. Das erinnert mich immer an die Elternsprechtage, die für mich grundsätzlich in einem Desaster endeten. Vermutlich lag es daran, dass ich hektisch von allem Möglichen redete, um die Gespräche bloss nicht auf Fehlstunden oder andere Missetaten kommen zu lassen. Nebenbei erwähnte ich immer wieder, dass so etwas eh nach spätestens 10 Jahren verjährt ist und ich einen guten Anwalt habe. Zu meiner grossen Erleichterung begann das Konzert und ich war erlöst. Da muss man nämlich still sein. Ganz davon abgesehen, machte die Orgel einen solchen Rabatz, dass man eh sein eigenes Wort nicht verstanden hätte.
Ein wenig ärgerlich fand ich es, als eine Frau aufstand, um Fotos zu machen. …Mit Blitzlicht! Wieso durfte die das und ich nicht? Ich hatte brav meine Kamera zu Hause gelassen, bevor meine Mama mich hätte lynchen wollen. Aber die olle Schnepfe durfte sogar blitzen. Gemein! Wahrscheinlich hatte sie dafür ihre Mami zu Hause gelassen! Das Konzert selbst war sehr schön gewesen, ging knapp eine Stunde und als am Schluss noch einmal feste in die Tasten gehauen wurde, wachte sogar der Opa in der Bank neben mir wieder auf.
Vermutlich, weil er den Umtrunk danach nicht verpassen wollte. Nach dem Konzert wurde nämlich Glühwein ausgeschenkt. Den Grund dafür erfuhr ich nach den Abschiedsworten des Veranstalters. Das Konzert war zwar als kostenlos beworben worden, doch machte man uns unmissverständlich deutlich, dass man eine großzügige Spende erwarte. Ohne das kam man wohl nicht raus. Der Alkohol sollte uns wahrscheinlich gefügig machen (weshalb ich freiwillig verzichtete). Obwohl ich schnell aufgesprungen war, um zu entkommen, bevor meine Mama doch noch ein Schwätzchen mit meiner ehemaligen Lehrerin halten konnte, hatten längst grimmig aussehende Männer und Frauen an den Ausgängen Stellung bezogen, wobei sie fordernd die Körbchen für die “Spende” emporhielten. Ein Blick aus diesen Augen verriet mir, dass ich nicht ungeschoren davonkommen würde, ohne mich frei zu kaufen. Ich nenne solche Methoden moderne Wegelagerei. Half alles nichts, ich löhnte unter den strengen Blicken der Spendensammlerin.
Übrigens sollen diese “Spenden” dazu dienen, die Umsetzung der Orgel zu finanzieren, deren Klänge wir gelauscht hatten. Klar, sich eine Orgel auf Pump anschaffen und dann die gemeine Bevölkerung dafür bluten lassen! Falls sich jemand für die Orgel im Besonderen interessiert, es gibt sogar einen eigenen Blog dazu und zwar: http://neuerklang.blog.de/.
…Nein, ich habe ihn nicht gelesen, es reicht doch, wenn ich den Kasten bezahlt habe.


Du hast freiwillig den Umtrunk verpaßt? War der Leibhaftige hinter Dir her?
So ähnlich. …Meine Mama und meine ehemalige Lehrerin.
Also das mit der Kollekte klauen ist eine gute Idee, obwohl…die haben doch bestimmt was, was Wert hat oder ihnen wichtig ist…
Ach Dir gehören all diese Kirchen die mich Sonntags-Morgens aufwecken und um den Verstand bimmeln.
Könnten wir da vielleicht in Verhandlung treten … nur ein bischen leiser bimmeln und ein wenig später … Mittwochs um 10:30Uhr wäre schön.
Hat Deine Orgel auch einen I-Pod Eingang?
Man was Du so alles hast *neidisch*.
Liebe Grüße Muschelmischer